VPN für kleine Unternehmen: Sicher von überall arbeiten
VPN für kleine Unternehmen: Sicher von überall arbeiten
Die Szene kennt jeder: Ein Mitarbeiter sitzt im Homeoffice und braucht dringend eine Datei vom Firmenserver. Also verschickt er sie per E-Mail — unverschlüsselt. Oder lädt sie auf Google Drive hoch. Oder arbeitet mit veralteten Kopien auf seinem Laptop.
Was wie Pragmatismus aussieht, ist ein Sicherheitsrisiko. Und völlig unnötig — wenn das Unternehmen ein ordentliches VPN hat.
Was ist ein VPN und warum brauchen Sie eines?
VPN steht für "Virtual Private Network" — ein verschlüsselter Tunnel zwischen dem Mitarbeiter-Gerät und dem Firmennetzwerk. Stellen Sie es sich vor wie eine Röhre: Alles, was hindurchgeht, ist vor neugierigen Blicken geschützt.
Ohne VPN: Der Mitarbeiter im Café überträgt Firmendaten unverschlüsselt über das öffentliche WLAN. Jeder im selben Netzwerk könnte mitlesen.
Mit VPN: Die Daten sind verschlüsselt, bevor sie das Gerät verlassen. Selbst wenn jemand mitliest — er sieht nur Datensalat.
Die drei häufigsten VPN-Probleme bei KMUs
1. "Wir haben doch TeamViewer"
TeamViewer, AnyDesk & Co. sind praktisch für gelegentlichen Support. Aber für den täglichen Dateizugriff sind sie die falsche Lösung:
- Langsam (Bildschirmübertragung statt direkter Dateizugriff)
- Abhängigkeit vom eingeschalteten Büro-PC
- Keine Netzwerk-Freigaben nutzbar
- Bei kostenloser Nutzung: Zeitbegrenzung
2. "Wir nutzen die FRITZ!Box-VPN"
Die meisten DSL-Router haben ein eingebautes VPN. Das ist besser als nichts — aber oft umständlich:
- Komplizierte Zertifikats-Verwaltung
- Schwierige Einrichtung auf Mobilgeräten
- Keine zentrale Benutzerverwaltung
- Bei Ausfall des Routers: kein Zugriff
3. "VPN ist zu kompliziert"
Stimmt — wenn man es selbst bastelt. Moderne VPN-Lösungen sind so einfach wie eine App-Installation. Der Aufwand liegt in der initialen Konfiguration, nicht im täglichen Betrieb.
Welche VPN-Typen gibt es?
Site-to-Site VPN
Verbindet zwei Standorte dauerhaft. Ideal wenn Sie Filialen haben oder regelmäßig mit Partnern arbeiten.
Beispiel: Hauptbüro in Bludenz, Zweigstelle in Feldkirch. Beide Netzwerke sind wie eines — Mitarbeiter greifen transparent auf alle Ressourcen zu.
Remote Access VPN
Einzelne Mitarbeiter verbinden sich von außen. Das ist für die meisten KMUs die richtige Lösung.
Beispiel: Die Buchhalterin arbeitet dienstags im Homeoffice und greift per VPN auf die Sage-Datenbank zu — als wäre sie im Büro.
Moderne VPN-Lösungen für KMUs
WireGuard: Der neue Standard
WireGuard ist das modernste VPN-Protokoll. Schneller und sicherer als alte Lösungen wie OpenVPN oder IPsec:
Vorteile:
- Sehr schnell (merklich weniger Latenz)
- Automatischer Verbindungsaufbau
- Funktioniert zuverlässig bei wechselnden IP-Adressen
- Einfache Konfiguration über QR-Code
- In Linux-Kernel integriert (sehr stabil)
Nachteile:
- Relativ neu (weniger Erfahrungswerte als OpenVPN)
- Nicht alle Firewall-Systeme unterstützen es vollständig
Tailscale: VPN ohne Server
Tailscale baut auf WireGuard auf, verwaltet aber die Konfiguration automatisch:
Funktionsweise: Jedes Gerät bekommt eine feste IP aus dem privaten Netzbereich. Die Geräte verbinden sich direkt miteinander — ohne zentralen VPN-Server.
Vorteile:
- Extrem einfache Einrichtung
- Funktioniert auch wenn Geräte hinter NAT stehen
- Keine Firewall-Konfiguration nötig
- Kostenlos für bis zu 20 Geräte
Nachteile:
- Abhängigkeit von Tailscale-Dienst (Single Point of Failure)
- Keine vollständige Kontrolle über die Infrastruktur
- Datenschutz: US-amerikanisches Unternehmen
OpenVPN: Der Klassiker
Seit 20 Jahren bewährt und weit verbreitet:
Vorteile:
- Läuft überall (Windows, Mac, Linux, iOS, Android)
- Viele Konfigurationsmöglichkeiten
- Keine Abhängigkeit von Drittanbietern
- Ausgereifte Tools (z.B. pfSense, OPNsense)
Nachteile:
- Aufwändigere Einrichtung
- Langsamerer Verbindungsaufbau als WireGuard
- Zertifikats-Management bei vielen Benutzern komplex
Praktisches Beispiel: WireGuard auf OPNsense
Hier eine konkrete Lösung für ein 10-Personen-Unternehmen:
Hardware
- Firewall: Mini-PC mit OPNsense (z.B. Protectli Vault)
- Server: Synology NAS oder kleiner Linux-Server
- Internet: Geschäftsanschluss mit fester IP (nicht zwingend nötig, aber praktischer)
Konfiguration
- WireGuard-Server auf der Firewall einrichten
- Port 51820 nach außen freigeben
- Netzbereich definieren (z.B. 10.20.0.0/24)
- Benutzer anlegen und Konfigurationsdateien erzeugen
- Client-Konfiguration
- Pro Mitarbeiter eine Konfigurationsdatei
- Installation der WireGuard-App
- QR-Code scannen — fertig
- Zugriff konfigurieren
- Freigaben auf dem Server einrichten
- DNS so konfigurieren, dass Server-Namen funktionieren
- Firewall-Regeln für VPN-Netz anlegen
Resultat: Die Mitarbeiterin schaltet VPN an und kann auf \\srv-data\buchhaltung zugreifen — von überall, sicher verschlüsselt.
Typische Stolperfallen
1. DNS vergessen
VPN läuft, aber ping server.local funktioniert nicht? DNS-Konfiguration prüfen. Der VPN-Server sollte als DNS-Server für das VPN-Netz fungieren.
2. Firewall-Regeln zu streng
Nur weil der VPN-Tunnel steht, dürfen die Clients noch lange nicht überall hin. Definieren Sie explizit, worauf VPN-Benutzer zugreifen dürfen.
3. Split-Tunneling übersehen
Soll der gesamte Internet-Traffic über das VPN laufen? Meistens nicht — das würde Netflix & Co. verlangsamen. Konfigurieren Sie "Split-Tunneling": Nur Firmennetz-Zugriffe über VPN.
4. Backup der VPN-Konfiguration vergessen
Wenn die Firewall ausfällt: Ohne Backup der VPN-Konfiguration müssen alle Mitarbeiter neu eingerichtet werden.
Was kostet ein VPN?
Eigene Lösung (empfohlen)
- Hardware: 300-800€ (Mini-Firewall)
- Software: 0€ (OPNsense/pfSense + WireGuard)
- Einrichtung: 4-8 Stunden Arbeitszeit
- Laufende Kosten: 0€
Cloud-Lösung (Alternative)
- Tailscale: Kostenlos bis 20 Geräte, danach 5$/Monat pro Benutzer
- NordLayer: Ab 7$/Monat pro Benutzer
- Windscribe Teams: Ab 3$/Monat pro Benutzer
Faustregel: Bis 5 Mitarbeiter kann eine Cloud-Lösung günstiger sein. Darüber hinaus lohnt sich die eigene Infrastruktur.
Mobile Geräte: iPhone und Android
Moderne VPN-Lösungen funktionieren nahtlos auf Smartphones:
WireGuard App
Setup: QR-Code vom Admin scannen, Verbindung aktivieren — fertig. Die App verbindet automatisch bei Bedarf.
Always-On VPN
Besonders für Außendienstler praktisch: VPN aktiviert sich automatisch, sobald das Gerät das Büro-WLAN verlässt.
Checkliste: VPN richtig einrichten
- Lösung wählen: WireGuard für neue Setups, OpenVPN für maximale Kompatibilität
- Hardware dimensionieren: Firewall mit genügend CPU-Leistung für Verschlüsselung
- Netzwerk-Design: Separates Subnetz für VPN-Clients (z.B. 10.20.0.0/24)
- DNS konfigurieren: VPN-Clients sollen Server-Namen auflösen können
- Firewall-Regeln: Nur nötigen Zugriff erlauben (Prinzip der minimalen Privilegien)
- Monitoring einrichten: Wer ist wann von wo verbunden?
- Dokumentation: Anleitungen für Mitarbeiter, Backup der Konfiguration
- Test: Verschiedene Geräte und Szenarien durchspielen
Fazit
Ein ordentliches VPN ist kein Hexenwerk — aber es braucht die richtige Herangehensweise. Moderne Lösungen wie WireGuard machen vieles einfacher als früher.
Für die meisten KMUs empfehle ich: WireGuard auf einer dedizierten Firewall (OPNsense/pfSense). Einmal richtig eingerichtet, funktioniert es jahrelang zuverlässig.
Der wichtigste Punkt: Planen Sie nicht nur die technische Einrichtung, sondern auch die Benutzer-Schulung. Das beste VPN nützt nichts, wenn es niemand verwendet — oder falsch verwendet.
Sie möchten wissen, welche VPN-Lösung für Ihr Unternehmen die richtige ist? Im kostenlosen IT-Quick-Check schauen wir uns Ihre Anforderungen an und entwickeln einen maßgeschneiderten Plan.
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