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E-Mail & DSGVO: Warum kleine Unternehmen ihre Mails selbst hosten sollten

Georg Bammer·

E-Mail & DSGVO: Warum kleine Unternehmen ihre Mails selbst hosten sollten

"Wir verwenden Gmail für's Geschäft — das ist doch praktisch und kostenlos, oder?"

Diese Frage höre ich oft bei KMU-Gesprächen. Die Antwort: Praktisch vielleicht, kostenlos definitiv nicht, und DSGVO-konform... nun ja, kompliziert.

Das Problem: E-Mail ist Ihr digitaler Briefkasten

Stellen Sie sich vor, Ihre komplette Geschäftskorrespondenz würde über einen amerikanischen Postdienstleister laufen, der jeden Brief mitliest, auswertet und für Werbezwecke nutzt. Klingt absurd? Genau das passiert, wenn Ihr Unternehmen Gmail, Outlook.com oder andere "kostenlose" E-Mail-Dienste nutzt.

Die DSGVO-Realität

Seit Mai 2018 ist klar: Sie sind verantwortlich für jeden Ort, an dem Kundendaten landen. Das schließt E-Mails ein — jede Rechnung, jede Kundenanfrage, jeden Newsletter-Kontakt.

Was viele nicht wissen:

  • Google und Microsoft sind nach DSGVO "Auftragsverarbeiter" — Sie bleiben verantwortlich
  • Datenübertragung in die USA erfordert zusätzliche Schutzmaßnahmen
  • Bei Datenpannen sind Sie in der Nachweispflicht — auch bei externen Anbietern

Die versteckten Kosten von "kostenlos"

Google Workspace: Nicht mehr kostenlos

  • Mindestens 6€ pro Nutzer/Monat (Business Starter)
  • Skalierung: 10 Mitarbeiter = 60€/Monat = 720€/Jahr
  • Plus: Abhängigkeit, Datenauswertung, US-Server

Microsoft 365: Der teure Standard

  • Ab 4,20€ pro Nutzer/Monat (Business Basic)
  • Vollpaket ab 10,50€/Monat — bei 10 Mitarbeitern: 1.260€/Jahr
  • Dazu: Komplexe Datenschutz-Einstellungen, Vendor-Lock-in

Versteckte Folgekosten

  • Compliance-Beratung: 500-2.000€ für DSGVO-konforme Konfiguration
  • Audit-Kosten: Jährliche Überprüfungen
  • Exit-Kosten: Datenexport und Migration wenn Sie wechseln wollen

Die Alternative: Self-Hosted E-Mail

Was bedeutet "Self-Hosted"?

Ihr E-Mail-Server läuft auf einem deutschen/österreichischen/EU-Server. Sie haben die volle Kontrolle über:

  • Wo Ihre Daten liegen (EU-Server)
  • Wer Zugriff hat (nur Sie)
  • Wie lange Daten gespeichert werden
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten

Die Vorteile im Überblick

DSGVO & Compliance:

  • ✅ Daten bleiben in der EU
  • ✅ Kein Tracking oder Datenauswertung
  • ✅ Vollständige Kontrolle über Backup und Löschung
  • ✅ Transparente Dokumentation für Audits

Kosten:

  • Planbare monatliche Kosten statt Per-User-Lizenz
  • ✅ Keine Skalierungssprünge bei neuen Mitarbeitern
  • ✅ Langfristig günstiger (ab ~5 Mitarbeitern)

Flexibilität:

  • ✅ Unbegrenzte E-Mail-Adressen und Weiterleitungen
  • ✅ Eigene Domain-Struktur (info@, vertrieb@, projektname@)
  • ✅ Integration mit bestehender IT-Infrastruktur

Praxisbeispiel: 10-Mitarbeiter-Unternehmen

Szenario: Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern, Domain "muster-gmbh.at"

Kostenvergleich (pro Jahr):

LösungKosten/JahrBesonderheiten
Google Workspace720€+ Compliance-Beratung (~1.500€ einmalig)
Microsoft 3651.260€+ IT-Administration, komplexe Einrichtung
Self-Hosted300-600€Setup einmalig, dann wartungsarm

Self-Hosted Setup:

  • Server: Hetzner VPS (20€/Monat) oder eigene Hardware
  • Software: Postfix + Dovecot (Open Source, bewährt seit 20+ Jahren)
  • Verwaltung: Virtualmin oder ähnliches Web-Interface
  • Backup: Automatisiert, lokal + Cloud
  • SSL/Security: Let's Encrypt, SPF/DKIM/DMARC automatisch

Die häufigsten Einwände (und warum sie nicht stimmen)

"Das ist doch viel zu kompliziert!"

Früher: Ja. Heute: Moderne Server-Management-Tools machen E-Mail-Hosting so einfach wie Website-Hosting.

Realität: Nach dem initialen Setup (1-2 Tage) läuft ein E-Mail-Server jahrelang wartungsarm. Updates sind automatisiert, Monitoring schlägt bei Problemen Alarm.

"Was wenn der Server ausfällt?"

Antwort: Genau wie bei Google oder Microsoft — nur mit mehr Kontrolle.

Professioneller Ansatz:

  • Monitoring: 24/7 Überwachung mit Alerting
  • Backup: Tägliche Sicherungen, getestet
  • Redundanz: Gespiegelte Server oder schnelle Wiederherstellung
  • SLA: Bei gehosteten Lösungen oft besser als bei "kostenlosen" Diensten

"Wer administriert das?"

Drei Optionen:

  1. Fully Managed: Ihr IT-Partner übernimmt alles (empfohlen für <20 Mitarbeiter)
  2. Hybrid: Setup durch Partner, Tagesgeschäft intern
  3. Self-Service: Komplett intern (für IT-affine Teams)

Migration: Schritt für Schritt

Phase 1: Vorbereitung (1-2 Wochen)

  • Bestandsaufnahme: Welche E-Mail-Adressen existieren?
  • Server-Setup und Konfiguration
  • DNS-Vorbereitung (MX-Records)
  • Test-Setup mit einer E-Mail-Adresse

Phase 2: Testbetrieb (1 Woche)

  • Interne Test-E-Mails
  • Externe Tests (Spam-Filter, Zustellbarkeit)
  • Client-Konfiguration (Outlook, Thunderbird, Smartphone)
  • Backup-Verfahren testen

Phase 3: Migration (Wochenende)

  • DNS-Umstellung (MX-Records)
  • E-Mail-Import aus altem System
  • Client-Konfiguration bei allen Mitarbeitern
  • Funktionstests

Phase 4: Nachbetreuung (1 Monat)

  • Monitoring der Zustellraten
  • Feintuning der Spam-Filter
  • Mitarbeiter-Schulung bei Problemen

Wann Self-Hosting Sinn macht

Perfekt geeignet für:

  • Unternehmen ab 5+ Mitarbeitern (Kostenvorteil)
  • DSGVO-kritische Branchen (Beratung, Medizin, Recht)
  • Wachsende Teams (keine User-Lizenz-Sprünge)
  • IT-affine Unternehmen oder mit IT-Partner

Weniger geeignet für:

  • Ein-Person-Unternehmen (Overhead zu hoch)
  • Hochmobile Teams ohne festen Standort
  • Unternehmen ohne IT-Partner und ohne interne IT-Kompetenz

Das Fazit: Zeit für den Wechsel?

E-Mail-Self-Hosting ist 2026 keine Rocket-Science mehr. Die Tools sind ausgereift, die Kosten planbar, der Datenschutz garantiert.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann Sie den Wechsel machen — bevor die nächste DSGVO-Prüfung kommt oder die Lizenzkosten wieder steigen.

Ihr nächster Schritt

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Georg Bammer baut IT-Infrastruktur für kleine Unternehmen im Vorarlberger Raum — persönlich betreut, mit Enterprise-Wissen, ohne Vendor-Lock-in. Mehr unter bammerge.org/kontakt

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